Am siebten Tage aber erkannte der Mensch Gott und sich selbst. Anthropologische und heilsgeschichtliche Reflexionen zu Abraham Joshua Heschels Sabbat (1951)

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Patrick Brooks

Abstract

Das Menschenbild der hebräischen Bibel istebenso spannungsreich wie wirklichkeitsnah, dennwährend die Menschenkinder bei Hiob, Koheletund anderswo als (willens)schwache, vergänglicheund gottvergessene Wesen beschrieben werden,3in die man kein eitles Vertrauen setzen sollte (Ps146,3)4, bezeichnet der Psalmist den Menschengleichsam als ein mit Ehre und Herrlichkeit ge-kröntes Geschöpf von nahezu gottgleicher Würde(Ps 8,6). Und obwohl derTanachwiederholt dengewaltigen Unterschied zwischen der ErhabenheitGottes und der Kleingeistigkeit des Menschen be-tont (u.a. Num 23,19; 1Sam 15,29; Hos 11,9; Hi 38-41), so bekräftigt er doch stets aufs Neue, dassGottes gnädige, liebevolle und freigiebige Zuwen-dung allen (frommen) Menschenkindern zuteilwird (u.a. Ps 36,8-10; 145,8-9.13-16; Jer 32,17-19).Ähnlich spannungsvoll gestaltet sich demnachauch die Erschaffung des Menschen in der Genesis,da Schöpfungsbericht und Paradieserzählung so-wohl von der Größe als auch der Unzulänglichkeitdes ersten Menschenpaars zeugen. Für die heraus-gehobene Stellung des Menschen innerhalb derSchöpfung sprechen dabei insbesondere: 1die – für Gen 1 einzigartige – AbsichtserklärungGottes, ein Ihm ähnliches Wesen bilden zu wol-len, das über die Tiere herrschen soll (Gen1,26); 2Gottes Schöpfungsbefehl an das letzte (und wohl beste)5Seiner Geschöpfe, sich die Erdeuntertan zu machen (Gen 1,28);3die – für Gen 1-2 erneut einzigartige – Fest-stellung, dass der Mensch göttlichen Odem –nach Gen 6,3: Gottes Geist – in sich trägt(Gen 2,7);4des Menschen Privileg, den Garten Eden be-bauen und erhalten zu dürfen (Gen 2,15); 5der Umstand, dass Gott dem Menschen die Aufgabe überträgt, alle Tiere mit Namen zuversehen (Gen 2,19-20); Er lässt ihn damit einStück weit an Seinem Schöpfungswerk teilha-ben, denn erst mit der Namensgebung wirktdie Entstehung der übrigen Lebewesen abge-schlossen;66die Feststellung, dass der Mensch ein soziales, auf Partnerschaft angewiesenes Wesen ist, so-wie – daraus folgend – die Erschaffung der Frauaus dem Mann (Gen 2,18.21-24).

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Rubrik
Persönlichkeiten in Judentum und Christentum